Mercedes-Maybach G 650 Landaulet: Der Sonne so nah

Berlin (dpa-infocom) – Mercedes rückt die Rangordnung im Reich der Geländewagen wieder zurecht. Nachdem sich Bentley mit dem Bentayga auf den SUV-Thron geschwungen hat und noch bevor Rolls-Royce mit dem Projekt Cullinan nach der Krone greift, zeigen jetzt die Schwaben noch einmal, wo oben ist.

Mercedes will ein Zeichen im Geländewagen-Segment setzen. Dafür bedient sich der Autobauer ausgerechnet eines Modells, das schon fast 40 Jahre auf dem Buckel hat: der G-Klasse. Wenn der Gelände-Dinosaurier in diesem Herbst als Maybach G 650 Landaulet an den Start geht, will er nicht nur alle anderen Geländewagen, sondern gleich auch noch die versammelte Cabrio-Flotte der Konkurrenz in den Schatten stellen.

Neue Größe im Gelände

Das kann man bei diesem Auto durchaus wörtlich nehmen. Nachdem Mercedes den Radstand um 60 Zentimeter gestreckt und die G-Klasse auf Portalachsen gestellt hat, wie man sie sonst nur von Unimog und Co kennt, macht der Geländewagen eine wahrlich imposante Figur: Fast 5,50 Meter lang und mit rund 2,20 Metern so hoch wie breit, stolziert er mit royaler Erhabenheit über die Straße und durch die Steppe und lässt sich von nichts und niemandem die Schau stehlen.

Das stattliche Format hat Mercedes aber nicht ohne Grund gewählt. Die Portalachsen erhöhen die Bodenfreiheit auf knapp einen halben Meter und garantieren das Fortkommen auch im schwersten Gelände. Und den langen Radstand brauchen die Schwaben für den Luxus im Fond. Schließlich haben sie die eher harte und unbequeme Rückbank der G-Klasse ausgemustert und stattdessen die First-Class-Sessel aus der Maybach-Version der S-Klasse eingebaut.

First-Class-Komfort im Fond

Wer erst binnen 30 Sekunden das elektrische Verdeck öffnet und danach die klimatisierten Massage-Lehnen der Lederfauteuilles in die Liegeposition rückt, der wähnt sich deshalb im wahrscheinlich nobelsten Solarium der Welt. Und weil sich schließlich nicht jeder gerne beim Sonnenbad beobachten lässt, gibt es zu den dunkel getönten Fenstern auch noch eine elektrisch eintrübbare Trennscheibe, die den Fahrer auf Knopfdruck aussperrt und die Privatsphäre schützt.

Aber wer so ein Auto fährt, steht wahrscheinlich ohnehin im Brennpunkt des öffentlichen Interesses und kann das im Landaulet natürlich nach Lust und Laune auskosten. Deshalb ist der Fußraum groß und der Dachausschnitt stabil genug, dass Selbstdarsteller die Fahrt auch im Stehen genießen und sich der Welt da draußen wie auf dem Präsentierteller zeigen können.

Zwölf Zylinder für ein Halleluja

In Fahrt bringt den Maybach unter den G-Modellen der sechs Liter große Zwölfzylinder aus dem G 65: Der Motor leistet 463 KW/630 PS und entwickelt mit seinen bis zu 1000 Newtonmeter so viel Kraft, dass ihm die die 3,3 Tonnen Lebendgewicht des Geländegiganten genauso egal sind wie der Luftwiderstandswert auf dem Niveau einer Normgarage.

Unter sechs Sekunden von 0 auf 100 km/h und nur mit Rücksicht auf die Reifen und das Rauschen im Gebälk auf 180 km/h limitiert – da können am Gesetz von der Trägheit der Masse schon einmal Zweifel aufkommen. Was die G-Klasse dabei verbraucht, hat Mercedes noch nicht ermittelt und spielt für den avisierten Kundenkreis wahrscheinlich auch keine Rolle.

Preis zu hoch, Stückzahl zu niedrig

Luxuriöser als der Range Rover SV Autobiography oder der Bentley Bentayga und exklusiver als der offene Rolls-Royce Dawn oder die Maybach-Version des S-Klasse Cabrios – so sichert sich das Landaulet der G-Klasse die Pole Position auf dem Wunschzettel von Scheichs und Potentaten.

Doch es gibt im Kleingedruckten zwei Zahlen, die alle Träume gleich wieder platzen lassen: Die Auflage und den Preis. Denn mehr als 99 Exemplare wird es von der luxuriösen Luftnummer nicht geben. Und selbst wenn der exakte Tarif noch nicht feststeht, macht in Stuttgart niemand einen Hehl daraus, dass der G 650 das teuerste Modell in der Preisliste wird und man wohl mit einer halben Million rechnen muss – mindestens.

Fazit: Heute ein König

Natürlich ist ein Auto wie das Landaulet der G-Klasse hoffnungslos unvernünftig und völlig überzogen – aber genau darin liegt sein Reiz. Wenn man es aus der richtigen Perspektive betrachtet, ist es sogar vernünftiger als die meisten anderen Geländewagen und Open-Air-Modelle zusammen. Denn in keinem anderen SUV gibt es so viel Sonne und mit keinem anderen Cabrio hat man so einen großen Aktionsradius. Aber was noch viel wichtiger ist: Es gibt kein anderes Auto, in dem man sich derart erhaben fühlt wie im Landaulet der G-Klasse. Man steigt nicht ein, sondern auf und wird förmlich in den Adelsstand erhoben.

Datenblatt: Mercedes-Maybach G 650 Landaulet

Motor und Antrieb: Zwölfzyliner-Turbo-Benzindirekteinspritzer
Hubraum: 5980 ccm
Max. Leistung: 463 kW/630 PS bei 5000-5300 U/min
Max. Drehmoment: 1000 Nm bei 2300-4300 U/min
Antrieb: Allradantrieb
Getriebe: 7-Gang-Automatik
Maße und Gewichte
Länge: 5,34 m
Breite: 2,19 m
Höhe: 2,23 m
Radstand: 3,42 m
Leergewicht: 3300 kg
Zuladung: k.A.
Kofferraumvolumen: k.A.
Fahrdaten
Höchstgeschwindigkeit: 180 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h: > 6,0 s
Durchschnittsverbrauch: k.A.
Reichweite: k.A
CO2-Emission: k.A.
Kraftstoff: Super
Schadstoffklasse: Euro6
Energieeffizienzklasse: G
Kosten
Basispreis des Mercedes G-Modells: 105 868 Euro
Preis des Mercedes-Maybach G 650 Landaulet: >500 000 Euro
Typklassen: k.A.
Kfz-Steuer: k.A.
Wichtige Serienausstattung
Sicherheit: Sechs Airbags, Tempomat mit Abstandsregelung, Überrollbügel+
Komfort: First-Class-Sitze im Fond, Trennscheibe, elektrisches Verdeck

Alle Daten laut Hersteller, GDV, Schwacke

(dpa)